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Die Wirtschaft profitiert vom Selfie-Wahn

Selfie-Wahn: Wirtschaft profitiert

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: Selfies sind aus dem modernen Lifestyle nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile befassen sich sogar Ausstellungen, Fachbücher und Psychologen mit dem Selfie-Wahn und seinen Blüten. Ein bislang wenig bekannter Nebeneffekt: So manchen Branchen spült der Narzissmus reichlich Geld in die Kassen – nicht nur beim boomenden Absatz von Selfie-Sticks.

Fotoprodukte sind ein Milliardengeschäft

Selfie-Wahn: Wirtschaft profitiert

Seit der Markteinführung im Jahr 2007 ist die Zahl der in Deutschland verkauften Fotobücher von etwa 1,5 Millionen pro Jahr auf mittlerweile 9 Millionen pro Jahr gestiegen – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Zahl der Fotoprodukte hat sich in den letzten Jahren explosionsartig gesteigert: Vom Teddybär bis zur Kaffeetasse und vom Herzanhänger bis zum Mousepad gibt es kaum noch etwas, auf das sich heute kein Foto drucken lässt. Dabei liegen – na klar – Selfies ganz vorne.

Die Fotobranche ist jedoch nicht die einzige, die vom Hang zur Selbstdarstellung profitiert. Große Druckerhersteller wie Canon freuen sich über den steigenden Absatz von modernen Geräten, die speziell für den Druck hochauflösender Fotografien entwickelt wurden. Wen wundert es da, dass Canon seinen neuen Thermosublimationsdrucker auf den Namen SELPHY taufte? Bei diesem noch jungen Verfahren kommen Farbfolien statt herkömmliche Druckertinte zum Einsatz und machen die Bilder länger haltbar. Natürlich ist auch WLAN an Bord, damit die Selfies direkt unkompliziert vom Handy ausgedruckt werden können und so auch offline der Nachwelt erhalten bleiben.

Kosmetikbranche frohlockt

Ein weiterer Nutznießer des Selfie-Wahns ist die Kosmetikindustrie: Innerhalb von fünf Jahren – also seitdem Selfies rasante Verbreitung fanden – ist der Absatz von Make-up um ein sattes Drittel gestiegen. Besonders gefragt sind dabei Grundierungen, Augen-Make-up wie Mascara, Lippenstifte und Nagellacke – eben genau die Dinge, mit der sich die junge Generation für ihre Selfies in den sozialen Medien herausputzt.

Von der intensiven Beschäftigung mit der eigenen Schönheit profitieren nicht nur etablierte Kosmetikmarken wie die US-Marke Estée Lauder, die ihre Umsätze in den letzten zehn Jahren verzehnfachen konnte (!). In ihrem Windschatten drängen immer wieder neue junge Marken ins Geschäft. Diese haben es leichter als früher, denn sie müssen keine millionenschwere Werbung mehr fahren. Meist genügt es schon, wenn die eigenen Produkte von einem der sogenannten Influencer auf Youtube, Instagram, Snapchat und Co. erwähnt werden, damit tausende Teenies loslaufen. um sie nachzukaufen.

Influencer als Trendsetter von heute

Als Influencer werden erfolgreiche Blogger und Vlogger (Video-Blogger) bezeichnet, denen es gelungen ist, ein Millionenpublikum zu versammeln. Die Kölnerin Dagmara Ochmanczyk verkaufte sich beispielsweise als „Dagi Bee“ bei Youtube so erfolgreich als „nettes Mädel von nebenan“, dass drei Millionen Teenies ihren Kanal abonnierten und ihr gut 4 Millionen Menschen auf Instagram folgten. Noch erfolgreicher ist nur Bianca Heinicke mit „Bibis Beauty Palace“, die ähnliche Zahlen aufweisen kann. Für beide junge Frauen ein Millionengeschäft, das sich aus den Klicks bei Youtube, bezahlter Produktwerbung und Promotionauftritten zusammensetzt.

Ein Ende des Selfie Wahns ist nicht abzusehen

Auch wenn 57 % der Deutschen in einer Umfrage angegeben haben, von Selfies genervt zu sein: Ein Ende der Welle ist nicht abzusehen. Da hilft nur eins: Besonders penetrante Selfie-Poster auf Facebook & Co. einfach entfreunden.


Bild: © istock.com/KristinaJovanovic

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