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Die lange Reise zum Studienplatz

Studienplatz Bewerbung

Die Bewerbungsphase für das Wintersemester steht vor der Tür, doch für Schulabgänger scheinen die Hürden auf dem Weg zum persönlichen Karriereweg immer größer zu werden.

Studienplatz BewerbungFür immer mehr junge Menschen wird es zum Normalfall, sich nach der Schule einem Studium zu widmen. Dabei wird die Situation für Schulabgänger immer prekärer, denn jedes Jahr wird der Andrang an den Hochschulen größer. Wie das Centrum für Hochschulentwicklung CHE gerade bekannt gab, steigt neben den Studienanfängern, die sich über den üblichen Weg mit einer Hochschulreife qualifizieren, auch der Anteil derer, die ohne Abitur oder Fachhochschulreife ein Studium beginnen – zum Beispiel mit einem Meistertitel oder einer anderen beruflichen Qualifikation.

Zahl der Bewerbungen steigt schneller als die Unis Plätze schaffen können

Der Anteil ist gesamt gesehen allerdings äußerst gering. 2012 waren es lediglich 2,5 Prozent aller Studienanfänger, von denen viele ein Fernstudium absolvierten. Die gefühlte Konkurrenz wächst aber dennoch, denn für Schulabgänger die ein Abitur in der Tasche haben, ist ein Karriereweg ohne Ausbildung an Universität oder Fachhochschule schon fast die Ausnahme. Auch wenn die Hochschulen teilweise reagieren und mehr Plätze zur Verfügung stellen, können sie das Plus an Bewerbungen lange nicht ausgleichen. Und da ist es wenig verwunderlich, dass sich die vielen Hunderttausend Studieninteressierten in ihrer Wahl zunehmend eingeschränkt fühlen und der Weg zum Ausbildungsplatz oft beschwerlicher ist, als die Ausbildung selbst.

Bewerbungsphase für das Wintersemester steht vor der Tür

Dieser Weg wird in den kommenden Monaten wieder für viel Aufsehen sorgen, denn die Bewerbungsphase für das Wintersemester steht vor der Tür. Und für den Schulabgänger werden die Hürden immer zahlreicher. Für viele Schüler ist es ohnehin schon Aufgabe genug, sich nach nervenaufreibendem Schulabschluss und verdienter Erholungsphase auf den Berufsweg zu konzentrieren, sich im Dschungel der Studienmöglichkeiten zu orientieren und sich für Studienfach und –ort zu entscheiden. Dann müssen Fristen und Formalitäten eingehalten werden – ohne die rechtzeitige Einsendung amtlich beglaubigter Unterlagen geht gar nichts.

Gute Schulnoten werden immer wichtiger

Aber selbst die Überwindung bürokratischer Hürden bringt nichts, wenn das Studienfach sehr beliebt ist und man eine weitere wichtige Voraussetzung nicht erfüllt, denn ohne gute Noten aus der Schulzeit kann es schwierig werden. Weil bei den Hochschulen immer mehr Bewerbungen eingehen, als Studienplätze geschaffen werden, steigt vielerorts der Numerus Clausus. Wer also einen bestimmten Studienplatz will, sollte also schon in der Schule daraufhin arbeiten. Abgesehen davon, dass dies zu noch mehr Stress bei ohnehin schon überforderten Schülern führt, wird der Druck in der Bewerbungsphase höher.

Notwendige Kompromisse bei der Studienwahl

Die meisten Menschen sind heute bereit, weitreichende Kompromisse einzugehen, wenn es um die persönlichen Berufsziele geht, zum Beispiel in der Wahl des Studienortes. Ein Umzug in eine fremde Stadt ist noch das kleinste Hindernis und wird häufig in Kauf genommen, wenn es nicht aus ganz anderen Gründen sogar freiwillig angestrebt wird. Bei vielen Studiengängen ist aber oft schon absehbar, dass hervorragende Abschlussnoten benötigt werden und auch die Bereitschaft zum Umzug nicht unbedingt weiter hilft. Wer zum Beispiel Arzt werden will, kann sich ohne Einser-Abitur auf lange Wartezeiten einstellen.

Studienplatzklagen werden immer populärer

Oft ist der Frust hoch, wenn selbst mit gutem Abitur die Absagen von den Wunsch-Unis hereinflattern. Weshalb sich mit den zunehmenden Hürden und der – zumindest gefühlt – steigenden Ungerechtigkeit in der Studienplatzvergabe ein weiterer Trend beobachten lässt: Immer mehr Menschen klagen sich ihren Studienplatz ein. Was hier zunächst nach einem verzweifelten Versuch klingt, seinen Willen trotz fehlender Leistung durchzusetzen, ist ein vollkommen legitimes Mittel auf dem Weg zur individuellen Karriere. Denn die Hochschule muss sämtliche vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen, um dem Bewerber einen Platz zur Verfügung zu stellen. Bei Universitäten mit vielen Tausend Studenten und einer tiefen Bürokratie ist es nicht unwahrscheinlich, dass Kapazitäten übersehen oder nicht berücksichtigt werden.

Der Weg über eine Klage an den gewünschten Studienplatz zu kommen, ist natürlich noch mal ein ganz eigener Ansatz, der sich in vielen Fällen aber durchaus lohnen kann. Allerdings gibt es – ebenso wie bei der eigentlichen Bewerbung – viel zu beachten, denn auch hier müssen Fristen und Formalitäten eingehalten werden. Wie es geht, erfährt man zum Beispiel hier.

Wartezeit kann Vorteile bringen

Selbst wenn einem der Wunschplatz letztendlich verwehrt bleibt, ist das aber noch lange kein Grund, aufzugeben oder sich zur Umorientierung zu zwingen. Die fehlende Note zum zugangsbeschränkten Studienplatz kann oft schon mit ein paar wenigen Wartesemestern ausgeglichen werden. Und Wartesemester muss ja nicht heißen, dass man im Elternhaus darauf wartet, endlich dranzukommen. Wer klare Ziele im Kopf hat, schaut, wie er die Zeit gewinnbringend für sich nutzen kann. Berufserfahrungen durch Praktika, eine Ausbildung oder auch ein Auslandsaufenthalt können dem Wartenden Vorteile verschaffen, die derjenige mit den guten Noten zu einem entscheidenden Zeitpunkt nicht haben wird: Nach dem Studium, wenn die Bewerbung für den Arbeitsplatz ansteht.

Foto: Flickr/Neo_II

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