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Personalführung für Selbstständige und Kleinunternehmer

Personalführung für Selbstständige


Der eigene Chef sein – wer will das nicht! Der Schritt in die Existenzgründung eröffnet jedoch nicht nur neue Freiheiten, sondern bringt auch einige neue Pflichten und Aufgaben mit sich. Neben bürokratischen Hürden gilt es vor allem personaltechnische Fragen zu klären, mit denen sich die meisten Selbstständigen wohl zuvor nie beschäftigt haben: Muss ich ein Gewerbe anmelden? Will ich weitere Mitarbeiter einstellen? Wenn ja, was gibt es rechtlich dabei zu beachten – und wie führe ich ein Team erfolgreich?

Anmeldung eines Gewerbes und Erfassung von Mitarbeitern

Personalführung für SelbstständigeAm Anfang steht die Frage, ob die geplante Tätigkeit ein freier Beruf ist oder eine gewerbliche Tätigkeit. Von dieser Unterscheidung hängt eine Menge ab. Freie Berufe zeichnen sich grundsätzlich dadurch aus, dass sie künstlerische, schriftstellerische, wissenschaftliche oder erzieherische Tätigkeiten zum Inhalt haben – etwa Designer, Architekten, Redakteure, Ingenieure oder Ärzte. Liegt kein freier Beruf sondern eine gewerbliche Tätigkeit vor, so ist eine Anmeldung beim Gewerbeamt notwendig, ggf. sogar noch eine Genehmigung. Wer plant, Mitarbeiter einzustellen, muss dies bei der Gewerbeanmeldung bereits angeben.

Für jeden Existenzgründer verpflichtend ist zusätzlich die Anmeldung beim Finanzamt. Bei der steuerlichen Erfassung geht es etwa um die Frage, ob eine Befreiung von der Umsatzsteuer im Rahmen der sogenannten Kleinunternehmer-Regelung nach §19 UstG möglich ist – je nachdem, wie viel Umsatz Sie voraussichtlich machen werden. Außerdem spielen auch hier die Mitarbeiter eine Rolle: Wer Angestellte beschäftigen will, muss entsprechende Angaben machen. Je nachdem, ob es sich um Familienangehörige oder geringfügige Beschäftigte handelt, errechnet sich die Steuerlast. Insgesamt ist es bei rechtlichen Fragen rund um die Mitarbeitereinstellung und -führung empfehlenswert, an einem Arbeitsrechtsseminar teilzunehmen und/oder einen Fachanwalt hinzuzuziehen.

Personalführung von kleinen Betrieben will gelernt sein

Die bürokratischen Hürden sind genommen, das Team ist komplett und die Auftragsliste voll. Bevor Sie nun richtig Vollgas geben, sollten Sie noch ein paar Aspekte beachten. Chef zu sein, will gelernt sein. Das beginnt bereits bei der Personalführung. Die Personalführung in einem kleinen Betrieb unterscheidet sich in vielen Punkten von den Methoden in großen Unternehmen. In einem kleinen Team werden sie viel enger und persönlicher zusammenarbeiten, ein engeres Verhältnis mit den Kollegen aufbauen. Alle kennen sich, meist wird direkt ab dem ersten Tag geduzt. Als Unternehmensleiter müssen Sie lernen, damit umzugehen und bei aller Lockerheit nicht die Professionalität schleifen lassen. Eine Teilnahme an einem Personalführungsseminar kann hier nützlich sein. Grundlegende Kenntnisse können so aufgebaut oder bereits vorhandene Kenntnisse intensiviert und vertieft werden.

Zusammenhalt und Teamgefühl spielen besonders bei neu gegründeten Kleinunternehmen und Startups eine entscheidende Rolle. Gerade am Anfang, wo das finanzielle Budget sicher noch nicht überdurchschnittlich üppig ausfallen wird, ist es vor allem der sagenumwobene „Gründergeist“, der den Reiz und die Attraktivität für Angestellte ausmacht. Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert und engagiert bei der Arbeit, nehmen sie meist bereitwillig auch vorläufig eine etwas geringere Bezahlung in Kauf.


Mitarbeiter motivieren und an ein Ziel führen

Um dies zu erreichen, gilt es aus der kleinen Belegschaft eine Art „Familie“ zu formen. Als Chef bzw. Familienoberhaupt gehen Sie natürlich als gutes Beispiel voran. Bereits kleine Details und Aufmerksamkeiten machen hier einen Unterschied, etwa ein entsprechendes Willkommensritual für neue Teammitglieder, Glückwünsche zum Geburtstag oder eine Runde Eis für alle bei besonders guten Leistungen.

Als Leitlinie sollten Sie entsprechende interne Unternehmensziele und Projektziele feststecken. Viele Neugründer scheuen vor zu strikten Vorgaben zurück, weil Sie den Dingen einfach ihren Lauf lassen wollen oder es bei einem so kleinen Betrieb als überflüssig betrachten. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Die Vorgabe von Zielstellungen hat mit Blick auf die Mitarbeitermotivation einen positiven Einfluss. Das gemeinsame Arbeiten an Zielen stärkt die Verbundenheit. Ist ein Ziel erreicht oder ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, kann der Einsatz von Prämien oder Belohnungen weitere Anreize setzen.

Darüber hinaus gilt es, die richtige Balance zwischen Teambuildung-Maßnahmen und Work-Life-Balance zu schaffen. Ein gemeinsames Feierabendbier nach der Arbeit oder Ausflüge am Wochenende können die Arbeitsmoral stärken – aber nicht jeder will unbedingt seine gesamte Freizeit mit den Arbeitskollegen verbringen. Hier sollten Sie auch auf die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen und sie nach ihren Meinungen fragen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind eine Möglichkeit, Feedback in verschiedener Hinsicht zu erhalten. Ein offenes Ohr für Kritik und Mut zu Veränderungen sind letztlich die besten Ratgeber für Existenzgründer – es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

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