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„Eine Art Qualitätsinsel für akademischen Austausch“

Networking L.I.S.A.

Wer eine Geisteswissenschaft studiert hat, der wird auch heute noch häufig als weltfremder Schöngeist abgestempelt. Dass die Geisteswissenschaften aber alles andere als verstaubt sind, beweist das Online-Portal L.I.S.A., ein Pionierprojekt der Gerda-Henkel-Stiftung und das erste Wissenschaftsportal seiner Art. Wir haben mit dem Chefredakteur des Portals, Georgios Chatzoudis gesprochen.

 

Networking L.I.S.A.

Georgios Chatzoudis, Chefredakteur von L.I.S.A.

EBK: Herr Chatzoudis, wie kam es zur Entstehung des Portals, wer hat die Idee gehabt und Initiative ergriffen?

Herr Chatzoudis: Entstanden ist das Portal vor etwa 2 Jahren auf die Anfrage einiger Stipendiaten der Stiftung hin. Sie hatten den Wunsch nach einer Plattform geäußert, auf der sie sich untereinander über Promotionsarbeiten und Dissertationen austauschen können. Mit diesem Wunsch wandten sie sich an Dr. Angela Kühnen, Vorstandsmitglied der Gerda-Henkel Stiftung. Daraufhin wurde das Projekt angestoßen.

EBK: Könnten Sie in einigen Worten den Aufbau von L.I.S.A. beschreiben?

Herr Chatzoudis:
Der Name des Portals L.I.S.A. nimmt zunächst einmal Bezug auf die Gründerin der Stiftung Lisa Maskell, die 1967 in Gedenken an ihre Mutter die Gerda-Henkel-Stiftung ins Leben rief. Damit wird sowohl an die Wurzeln der Stiftung erinnert, gleichzeitig steht L.I.S.A. aber auch für die neuen Medien in der Forschung. Denn als Akronym für die zentralen Funktionen des Portals – Lesen, Informieren, Schreiben und Austauschen – soll L.I.S.A. Forschern und Interessierten weltweit ein Forum für wissenschaftliche Videos und Buchrezensionen, Dissertationen und Diskussionen bieten.

So umfasst das Portal neben einem passwortgeschützten Bereich auch einen öffentlichen, in dem man zu den veröffentlichten Beiträgen Stellung nehmen kann. Eine Anmeldung für den geschützten Bereich ist aber nicht nur Stipendiaten vorbehalten. Im Gegenteil, auch andere Interessierte können sich gern per Anmeldung in unserem Forum engagieren und eigene Beiträge verfassen.

EBK: Das Wissenschaftsportal richtet sich vornehmlich an Absolventen, Studierende und Interessierte der Geisteswissenschaften. Sollte nicht gerade in den Geisteswissenschaften der Verfall des Literarischen verhindert werden? Wie passt das mit einem Online-Portal zusammen?

Herr Chatzoudis: Liest man aktuelle Online-Studien, so wird offensichtlich, dass kaum ein Erwachsener heute noch ohne Internet lebt. Dem sollte man sich nicht verschließen, schließlich ist insbesondere in der Wissenschaft die Nutzbarmachung absolut wünschenswert. Das wird schon an der Arbeitsweise in den Unis heutzutage deutlich – da gibt es Online-Vorlesungen und Podcasts, allein offline geht da gar nichts mehr. Natürlich birgt das Internet die Gefahr der Verbreitung von nicht qualifizierten Beiträgen. Und auch was andere wissenschaftliche Standards angeht, wie beispielsweise Quellenangaben, ist das Internet alles andere als mustergültig. Jedoch leisten wir mit L.I.S.A. eher noch einen Beitrag dazu, dass man auch online qualitativ hochwertige Informationen erhalten kann. Schließlich sichern wir die Qualität der Beiträge. L.I.S.A. kann man daher als positives Beispiel für die Nutzung des Internets in der Wissenschaft sehen, quasi als eine Art Qualitätsinsel für den akademischen Austausch.

Zudem ist die Nutzung eines neuen Mediums in ihrer Anfangsphase schon immer mit viel Skepsis verbunden gewesen, das war mit der Einführung des Fernsehens ähnlich. Wir haben über diese Thematik auch schon mit dem Historiker Professor Hans-Ulrich Wehler diskutiert, sicherlich ist die Einstellung dazu auch eine generationenspezifische. Ich würde weniger von einem Verfall als vielmehr von einem Wandel des Literarischen sprechen.

EBK: Wie finanziert sich das Portal?

Herr Chatzoudis: Das Portal wird komplett von der Stiftung finanziert. Es läuft als eines der Sonderprojekte der Stiftung.

EBK: Verzeichnen Sie das Portal als Erfolg?

Herr Chatzoudis: L.I.S.A. lebt natürlich von der Beteiligung der Stipendiaten und anderer Wissenschaftler. Da es erst seit etwa zwei Monaten in Betrieb ist, können wir noch keine langfristigen Prognosen treffen, es ist aber sehr gut angelaufen. Zumal wir bei der Entwicklung und Programmierung festgestellt haben, dass es kaum vergleichbare Projekte gibt. Mittlerweile gab es sogar schon Anfragen anderer Stiftungen, die ähnliche Portale eröffnen wollen.

EBK: Immer noch hängt den Geisteswissenschaften der Ruf der „brotlosen“ Kunst an. L.I.S.A. dient natürlich in erster Linie dem fachlichen Diskurs, kann man dennoch von einer Art Kontaktbörse sprechen? Oder hat einigen Autoren ihre Mitwirkung schon als berufliches Sprungbrett gedient?

Herr Chatzoudis:
Wie gesagt, da das Projekt erst angelaufen ist, können wir noch nicht abschätzen, inwieweit über L.I.S.A. auch Stellen vermittelt werden. Allerdings gibt es in der Rubrik „Dies und Das“ schon Stellenangebote, dies dürfte also durchaus Zukunft haben. Allgemein sind Netzwerke wie L.I.S.A. ungeheuer nützlich, denn wo sonst kann ein fachlicher Austausch räumlich und zeitlich so ungebunden stattfinden?

EBK: Herr Chatzoudis, wir bedanken uns für das Gespräch.

Weitere Informationen: L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda-Henkel-Stiftung


Foto: Bernd Schaller, schallerfoto.de

 

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