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Nahrungsergänzung: sinnvoll oder riskant?

Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll oder riskant?

Wenn es um Nahrungsergänzungsmittel geht, streiten sich die Geister. Die einen preisen ihre Wunderwirkung, die anderen verteufeln sie als gesundheitsschädlich. Selbst offizielle Studien widersprechen sich. Was ist dran an den umstrittenen Pillen und Pülverchen?
Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll oder riskant?Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pillen, Pulvern, Kapseln und Tabletten gehören für viele Menschen zur täglichen Ernährung. Besonders ältere Frauen, die sich insgesamt gesund ernähren, greifen zu zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen, wie die Nationale Verzehrsstudie II (NVS) kürzlich herausfand. Besonders beliebt bei den Deutschen: die Vitamine C und E sowie die Mineralstoffe Magnesium und Calcium.

Widersprüchliche Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln

Viele Wissenschaftler warnen jedoch, dass eine Überversorgung an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen gesundheitsschädlich sein könnte. Als Beispiel wird dabei häufig eine Studie von 1994 zitiert, bei der ursprünglich die positive Wirkung von Vitamin E und Beta-Carotin (einer Vorstufe von Vitamin A) auf das Lungenkrebsrisiko älterer Raucher untersucht werden sollte. Letztendlich jedoch wurde eine erhöhte Gesamtsterblichkeit von acht Prozent bei den Beta-Carotin-Probanden festgestellt.

Dem gegenüber steht eine kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift „Journal of the American Medical Association“ publizierte Langzeitstudie. Über einen Zeitraum von insgesamt elf Jahren wurden 15.000 Männern über 50 Jahren untersucht. Das Ergebnis: Diejenigen, die ein Multivitaminpräparat einnahmen, hatten ein acht Prozent niedrigeres Risiko an Krebs zu erkranken, als die Placebo-Probanden. So rät auch die Harvard School of Public Health inzwischen zur täglichen Einnahme einer Multivitamintablette.

Wenig gesicherte Erkenntnisse in Bezug auf Nahrungsergänzungsmittel

Insgesamt gibt es bis auf die Einnahme von Beta-Carotin und Vitamin A bei Rauchern wenig gesicherte Erkenntnisse, die für oder wider Nahrungsergänzungsmittel sprechen. Einig sind sich die Experten lediglich darin, dass eine ausgewogene, vollwertige Ernährung das A und O einer gesunden Lebensweise ist – Nahrungsergänzungsmittel können diese keinesfalls ersetzen.

Allerdings gibt es auch eine Studie des Instituts für Umweltmedizin Rostock, die belegt, dass unsere Nahrungsmittel heute weit weniger Nährstoffe enthalten als noch vor 20 Jahren. Schuld daran seien industrielle Verarbeitungsprozesse mit Pestizidbehandlung, Überdüngung und Monokultur. Ein Nährstoffmangel kann daher insbesondere bei bestimmten Risikogruppen wie Allergikern, Leistungssportlern, Vegetariern und Veganern trotz einer insgesamt gesunden Ernährung gegeben sein. Auch einschneidende Lebensphasen wie Schwangerschaft, Wechseljahre und Stress-Zeiten erhöhen unseren Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Ob die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln für Sie sinnvoll ist, testen Sie am besten, indem Sie ein Blutbild machen lassen. Dieses sollten Sie von einem Sportmediziner auswerten lassen, der nicht nur auf die Mangel-, sondern auch auf die Optimalwerte achtet. Um einer Überversorgung vorzubeugen, empfehlen Experten die Einnahme von Kombi-Präparaten (bspw. Orthomol Nahrungsergänzung) gegenüber Präparaten mit einem einzigen, hoch dosierten Inhaltsstoff. Abzuraten ist in jedem Fall von Nahrungsergänzungsmitteln aus dem Ausland, insbesondere den USA. Diese unterliegen nicht denselben strengen Kontrollen wie hiesige Nahrungsergänzungsmittel und können unter das Arzneimittelgesetz fallen. Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel zudem mit dem Hausarzt besprechen, da einige Vitamine und Mineralstoffe die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen können.

Foto: flickr/stevendepolo

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