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Jeder Zweite würde für den Traumjob umziehen

Studie: Jeder Zweite würde für den Traumjob umziehen

Knapp die Hälfte aller Deutschen würden für einen besseren Arbeitsplatz alles hinter sich lassen. Bindungen an Familie und Arbeitgeber sind dabei sekundär, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov feststellt.

Studie: Jeder Zweite würde für den Traumjob umziehenLange sind sie her, die Zeiten in denen man sich niederließ. Niederlassen, das bedeutete, nach Ausbildung oder Studium einen sicheren Arbeitsplatz finden, vielleicht eine Familie gründen und am gewählten Ort des Lebens sesshaft werden. Die Nachbarschaft kennenlernen, einen Freundeskreis aufbauen, sich in der Umgebung sicher zurechtfinden – eben: sich heimisch fühlen. Ein Lebensentwurf wie aus einer anderen Epoche, nur noch selten gesehen in diversen ländlichen Regionen.

 

Prioritäten verschieben sich

Im Zeitalter der Globalisierung verschieben sich auch die ganz persönlichen Prioritäten. Neuartige Arbeitsmodelle wie die Freiberuflichkeit erfordern ständige Flexibilität, einen sicheren Arbeitsplatz gibt es maximal im Beamtentum und die Rente ist bekanntlich schon lange nichts mehr wert. Mit Freunden wird via Facebook Kontakt gehalten und der Nachbar in gekonnt urbaner Borniertheit gepflegt ignoriert. In letzter Instanz verliert alles an Wert, was persönlich bindet. Heimatsbildung ist nicht mehr. An Stellenwert gewinnt dafür das persönliche Fortkommen, die Bildung der Vita – um gewappnet zu sein für die Unsicherheiten der Zukunft. Und das heißt, es wird investiert, vor allem in Karriere und berufliche Weiterbildung.

 

Deutsche bei der Ortswahl flexibel

Erkennbar ist ein solcher Trend in einer der jüngsten Umfragen des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Demnach zeigen sich Deutschlands Arbeitnehmer in der Ortswahl erstaunlich flexibel, wenn es um den Arbeitsplatz geht. So würde jeder zweite Bundesbürger für den Traumjob die bekannte Umwelt hinter sich lassen und umziehen. Nur knapp ein Drittel der Befragten schloss einen Ortswechsel zugunsten der beruflichen Karriere aus, jeder Fünfte zeigte sich unentschlossen. Ebenfalls offen sind die Deutschen sogar für einen Umzug ins fremdsprachige Ausland. 38 Prozent würden das Land für einen besseren Posten verlassen.

 

Jung und ungebunden

Flexibel zeigen sich vor allem die Männer, bei denen der Beruf noch einen höheren Stellenwert einnimmt als bei den Frauen. So würden 57 Prozent den Umzug in Kauf nehmen, wohingegen es bei den Frauen nur 39 Prozent sind. Das größte Hemmnis für einen Ortswechsel ist der Lebenspartner. Am regelmäßigen Pendeln oder an einer Wochenendbeziehung hat die Mehrheit kein Interesse. 59 Prozent geben dem Partner den Vorrang vor dem Arbeitsplatz und würden sich im Zweifelsfall nicht von der Familie trennen. So ist es auch nicht erstaunlich, dass sich vor allem die Jungen für einen berufsbedingten Umzug offen zeigen. Knapp Dreiviertel (76 Prozent) der 18- bis 24-jährigen würden für den Traumjob die Koffer packen und das bisherige Leben hinter sich lassen. Bei den 45- bis 54-jährigen sind es immerhin noch 44 Prozent.

 

Kein Problem mit Kündigungen

Dass Abhängigkeiten generell eher lästig sind als gewünscht, zeigt das Verhältnis zum Arbeitgeber. Im Gegensatz zu familiären Beziehungen scheint die Bindung an den Brötchengeber keinen großen Stellenwert zu besitzen. Um die Karriere voranzubringen, hätte die Mehrheit der Befragten kein Problem damit, zu kündigen. Bei den jüngeren 18- bis 24-jährigen würden neun von zehn (89 Prozent) ihr Unternehmen sofort verlassen. Selbst bei den über 55-jährigen sind es fast zwei Drittel (62 Prozent), die sich nicht an ihren Arbeitgeber gebunden fühlen. Unternehmen dürfen gewarnt sein, zumal es immer schwieriger wird, geeignete Fachkräfte auch nur zu finden.

 

Foto: flickr/Robert S. Donovan

 

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