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Aus dem Bundestag in die Freiberuflichkeit

Abgeordnete verlassen Bundestag

Wer es einmal als Abgeordneter in den Bundestag geschafft hat, der findet anschließend schnell den Weg in die großen Konzerne – denkt man. Tatsächlich arbeitet die Mehrzahl der ausgeschiedenen Abgeordneten freiberuflich oder im eigenen Unternehmen.

 

Abgeordnete verlassen BundestagAus den Medien kennt man vor allem die prominenten Fälle: Gerhard Schröder arbeitet für Gazprom, Roland Koch für Bilfinger Berger. Aus dem Kanzleramt wechselten jüngst Ronald Pofalla zur Deutschen Bahn und Eckart von Klaeden zu Daimler. Wir wollen hier aber weniger etwaige moralische Bedenken behandeln, die sich zwischen Plenum und Lobby auftun. Zu Recht haben diese aufgrund einer fehlenden Karenzzeit bereits viele Menschen aufgebracht. Vielmehr wollen wir aus aktuellem Anlass ein Auge darauf werfen, wie es nicht ganz so bekannten Politikern nach dem Ausscheiden aus der Amtszeit ergeht.

Bundestagsmandat kein Garant für Top-Karriere

Belastbare Zahlen liefert dazu jetzt eine Studie der Unternehmensberatung Kienbaum. Die befragte 47 der 217 Bundestagsabgeordneten – die das Plenum nach der letzten Wahl verlassen mussten – nach ihrer derzeitigen beruflichen Situation.

Die erste große Erkenntnis der Untersuchung ist, dass ein Bundestagsmandat keineswegs ein Garant für eine anschließende Top-Karriere darstellt, und dass es selbst Abgeordnete (und nicht nur deren Mitarbeiter und Referenten) mitunter schwer haben, nach einer Legislaturperiode wieder ins Berufsleben zurückzufinden. Fünf Monate nach der Wahl waren fast 15 Prozent der Abgeordneten noch auf Jobsuche, 9 Prozent gönnten sich eine freiwillige Auszeit und 26 Prozent wechselten direkt in den Ruhestand. 13 Prozent der ehemaligen MdB sind im öffentlichen Dienst untergekommen und gerade mal 9 Prozent ließen sich von Privatunternehmen einstellen. Die Mehrheit – knapp 53 Prozent – ist mittlerweile freiberuflich, selbständig oder im eigenen Unternehmen tätig.

Finanzielle Einschnitte im späteren Berufsleben

Zwar haben zwei Drittel der Befragten auch in ihrer neuen Position Führungsverantwortung, finanziell gesehen bringt die Selbständigkeit aber lange nicht so viel ein wie das Mandat im Bundestag. Etwa 20 Prozent verdienen heute weniger als den deutschen Durchschnittsbruttolohn, der 2013 bei rund 40.000 Euro pro Jahr lag. Nur etwas weniger als ein Drittel der Abgeordneten verdient mehr als 100.000 Euro und damit mehr als zu Bundestagszeiten.

Abgeordnete wünschen sich mehr Unterstützung von Fraktion oder Partei

Anders als man angesichts der prominenten Beispiele vermuten könnte, zieht die Studie das Fazit, dass die Arbeit als Bundestagsabgeordneter im Regelfall nicht gerade einen Karriere-Beschleuniger darstellt. Im Gegenteil: Viele der Abgeordneten wünschen sich mehr Unterstützung von ihrer Fraktion oder ihrer Partei, um in der freien Wirtschaft nach dem Ausscheiden aus der Amtszeit besser Fuß fassen zu können. Der aus der Zeitung bekannte Ex-Minister, der mit seiner politischen Expertise als frischgebackener Cheflobbyist die Konzernspitzen berät, ist eine – wenn auch viel beachtete und oft skandalöse – Ausnahme im Politikbetrieb.

Foto: Flickr/DIE LINKE

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