Macher des Monats
Macherin des Monats: Anett Schumann
Freitag, 3. September 2010Seit August dieses Jahres betreibt Anett Schumann ihr eigenes Unternehmen mein müslibecher. Die 24-jährige Jungunternehmerin will mit Müslis im Portionsbecher die gesunde Ernährung außer Haus erleichtern. Die beiden Sorten Beeren Müsli und Schoko Müsli gibt es sowohl im Direktvertrieb als auch in Ihrem Online-Shop www.mein-mueslibecher.de zu kaufen. Mit EBK sprach die studierte Betriebswirtin über ihr Unternehmen, ihre Geschäftsidee und ihren Start in die Selbstständigkeit.
E.B.K.: Was haben Sie studiert? Was ist Ihr eigentlicher Beruf?
Schumann: Ich habe von März 2006 bis Februar 2010 Handelsmanagement an der Fachhochschule Worms studiert. Seitdem darf ich mich Diplom Betriebswirtin (FH) nennen.
E.B.K.: Wie ist Ihre berufliche Laufbahn vor der Selbstständigkeit verlaufen?
Schumann: Nach meinem Abitur 2005 begann ich zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Diese hat mich jedoch in privater wie beruflicher Form nicht erfüllt, sodass ich bereits nach einem halben Jahr abbrach und das Studium in Worms aufnahm. Dies war aus heutiger Sicht genau die richtige Entscheidung. Während des Studiums absolvierte ich verschiedene Praktika und dann ging es direkt in die Selbstständigkeit.
E.B.K.: Was kam zuerst: die Geschäftsidee oder die Entscheidung, sich selbstständig zu machen?
Schumann: Das Ziel der Selbstständigkeit war schon seit dem Hauptstudium da. Dann kam im Studium die Idee und der Gedanke verfestigte sich. Gegen Abschluss des Studiums stand für mich dann fest, dass die Selbstständigkeit tatsächlich der richtige Weg für mich sein würde.
E.B.K.: Was ist Ihre Geschäftsidee und wie ist sie entstanden?
Schumann: Fast Food, Schokoriegel & Co dominieren das Sortiment von Bordrestaurants, Schulkiosks und Unternehmenskantinen. Ich achte sehr auf meine Ernährung, fand aber außerhalb der eigenen Küche kaum Möglichkeiten, einen durchgängig gesunden Lebensstil zu führen. Während meines Studiums hat es mich immer geärgert, dass es weder in der Mensa noch in den umliegenden Cafés, eine gesunde, leicht bekömmliche Zwischenmahlzeit zu kaufen gab. Ich habe dann angefangen, Müslivariationen für eine neue Produktpalette an Müslis im Portionsbecher zu kreieren und gemeinsam mit Bekannten zu verkosten. Ich wollte wirklich hochwertige Müslis kreieren, die nicht nur gesund sind und lecker schmecken, sondern auch frei von jeglichen Zusatzstoffen sind. Für die Zutaten habe ich dann auch nur deutsche Lieferanten gewählt, bei denen ich die Herstellung vollständig zurückverfolgen konnte. Der Portionsbecher ermöglicht es, das Müsli überall hin mitzunehmen und so zu jeder Zeit eine gesunde Zwischenmahlzeit parat zu haben.
E.B.K.: Wie haben Sie die Idee umgesetzt? Haben Sie sich gründlich vorbereitet oder eher einen Sprung ins kalte Wasser gewagt?
Schumann: Gründlich würde ich sagen. Parallel zur Ausarbeitung meiner Diplomarbeit eignete ich mir viel theoretisches Wissen an. Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Welche Hygienevorschriften habe ich zu beachten? Welche Marketingstrategien und Vertriebswege sollte ich wählen? Welche Komponenten ergeben ein gesundes Müsli? Welche Maschine kann meine Becher verschließen? Woher kann ich meine Becher beziehen? An dieser Stelle könnte ich noch zig weitere Punkte aufzählen…
Meine Ideen und Vorstellungen besprach ich mit zwei Gründungsberatern, die mir noch weitere wertvolle Tipps gaben und mich z. B. zum Thema Vertrieb schulten.
Obwohl ich felsenfest davon überzeugt war und bin, dass mein müslibecher beim Kunden ankommen würde, stellte ich das Produkt zunächst verschiedenen Zwischenhändlern und Endkunden vor. Ich erhielt zum Großteil ein sehr gutes Feedback. Nach dieser Rückmeldung stand dem Bankkreditantrag nichts mehr im Weg.
E.B.K.: Wie lange hat es von der Idee bis zum ersten Verkaufserlös gedauert?
Schumann: Rückblickend ging alles doch recht schnell. Von der Idee über die Produktion bis hin zum Verkauf der ersten Müslibecher verging etwa 1 Jahr.
E.B.K.: Welche Eigenschaften kommen Ihnen bzw. einem Unternehmer außer der fachlichen Qualifikation zugute?
Schumann: Zielstrebigkeit, Planung und eine 100%ige Überzeugung, dass man hinter seinem Produkt steht. Wichtig ist es auch, Probleme zu erkennen und vor allem auch zu lösen. Dabei sollte man möglichst zwei Schritte vorausdenken können, die Kundenwünsche verstehen und umsetzen. Was man als Gründer auf jeden Fall mitbringen sollte, ist die Fähigkeit, Rückschläge einstecken zu können.
E.B.K.: „Aller Anfang ist schwer“. Gilt das auch für Ihr Unternehmen? Welche Anfangsschwierigkeiten erkennen Sie bei Ihrer Unternehmensgründung und wie meistern Sie diese?
Schumann: Das beste Produkt mit großem Kundennutzen nützt nichts, wenn es keiner kennt. Man muss an vielen Stellen aktiv sein, um sein Produkt zu vermarkten. Ohne Pressearbeit und Werbung ist das kaum möglich.
Natürlich kann aber das alleinige Anschauen von Produkten nicht überzeugen. Viele, die mein müslibecher probieren, sind begeistert, weil es so viele Früchte oder Schokoladenanteile hat und dementsprechend intensiv schmeckt. Deshalb muss man an der Basis arbeiten, viel verkosten lassen, regional bekannt werden, Mundpropaganda ankurbeln und Aktionen vor Ort starten. Das erfordert bei kleinem Budget natürlich ein Mehr an Eigenarbeit und Zeitaufwand.
Und letztendlich muss die nicht ganz so offensichtliche Hintergrundarbeit stimmen: Strategien müssen erarbeitet und umgesetzt werden. Ohne einen sauber ausgearbeiteten Plan wäre ich schnell gescheitert.
E.B.K.: Wie haben Sie Ihre Existenzgründung finanziert?
Schumann: Einen Teil habe ich aus eigenen Mitteln stemmen können. Der Rest kam von der Bank.
E.B.K.: Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile der Selbstständigkeit? Was die Nachteile?
Schumann: Der größte Vorteil ist, dass ich mich selbst verwirklichen kann. Ich entscheide, wie und wann ich meine Gedanken und Ideen umsetzen möchte. Ich kann, nein ich muss mich komplett selbst organisieren und das nicht nur jeden Tag aufs Neue, sondern schon Tage und Wochen im Voraus.
Besonders schön ist das erfüllende Gefühl, wenn die eigenen Ideen und deren Umsetzung bei anderen Menschen Begeisterung auslösen.
Ein Nachteil, den die Selbstständigkeit wohl zwangsläufig mit sich bringt, ist der enorm hohe Zeit- und Arbeitsaufwand. Freizeit ist, wenn überhaupt vorhanden, kaum planbar. Und dann ist da natürlich der Druck, der durch die finanzielle Abhängigkeit bei der Bank entsteht. Das ist gerade zu Beginn der Unternehmensgründung sehr gewöhnungsbedürftig.
E.B.K.: Wie bewerten Sie die Bedingungen in Deutschland, um sich selbstständig zu machen?
Schumann: In Deutschland gibt es sehr viele verschiedene Förderungen und man braucht viel Zeit, das alles zu durchblicken und wirklich zu verstehen. Bin ich überhaupt förderungsberechtigt und welche Förderungen kommen infrage? Allein diese Fragen zu beantworten hat extrem lange gedauert und der Geschäftsplan für meine Bank war schlussendlich 56 Seiten lang.
Generell empfand ich die Gegebenheiten als zu unflexibel und zu bürokratisch.
E.B.K.: Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen in 5 Jahren?
Schumann: In 5 Jahren wird es zahlreiche weitere Müslikreationen geben, die man dann auch in der Familienpackung erwerben kann. Seit Kurzem kann man bereits das Beeren Müsli und Schoko Müsli von mein müslibecher als Familienpackung kaufen. Aktuell arbeite ich an einem Diabetiker Müsli.
Für die Zukunft habe ich unglaublich viele Ideen im Kopf und einige schon auf Papier. Vor allem Produkterweiterungen, eine starke Aufklärung im Bereich der frühzeitigen Ernährungsberatung vom Kindergarten bis ins hohe Alter. Ich könnte mir auch Sportevents mit Schülern oder eine Zusammenarbeit mit Krankenkassen und Ernährungsberatern vorstellen. mein müslibecher soll die Grundlage darstellen, um Veranstaltungen für Kinder zum Thema gesunde Ernährung zu finanzieren.
E.B.K.: Was würden Sie allen angehenden Existenzgründern empfehlen?
Schumann: Ganz wichtig ist es, die eigene Idee und auch die spätere Umsetzung von Außenstehenden prüfen zu lassen. Es ist wichtig, fest an sich und seine Idee zu glauben. Allerdings sollte man nicht so starr und in engen Bahnen denken. Außenstehende geben einem oft die Gelegenheit, Ideen umzudenken, weiterzuentwickeln oder eben auch neue Wege zu gehen. Dafür sollte man immer offen sein. Wenn Probleme auftauchen: Niemals stehenbleiben oder gar verzweifeln, denn es gibt immer eine Lösung! Wer hinfällt, sollte wieder aufstehen können, und das zur Not auch mehrmals.
Gerade in der Anfangszeit darf man nie rasten, sondern sollte immer darüber nachdenken, was man noch besser machen könnte. Den Kunden darf man dabei nie aus dem Blick verlieren. Ich beziehe immer die Überlegung ein, wie ich noch mehr bzw. die richtigen Kunden ansprechen kann?
Dabei ist die Erkenntnis hilfreich, dass die eigenen Vorlieben oft nicht den Bedürfnissen der Kunden entsprechen, die das Produkt am Ende ja aber erstehen sollen. Also sollte man dem Kunden das anbieten, was er auch wirklich möchte. Man kann nicht einfach etwas machen und dann hoffen, dass es jemand braucht.
E.B.K.: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schumann.
Mehr zu mein müslibecher auf: www.mein-mueslibecher.de


